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Pflegesensible Arbeitszeitgestaltung

Pflegesensible Arbeitszeiten ermöglichen!
Wenn im Unternehmenskontext von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Rede ist, geht es unlängst nicht mehr nur um die Betreuung von Kindern, sondern zunehmend auch um die Betreuung von pflegenden Angehörigen.
Die starke Zunahme von körperlich Pflegebedürftigen wurde als zentrales Zukunftsthema erkannt. Die Pflege von Angehörigen ist nicht nur mit einem hohen Zeitaufwand verbunden, sondern führt häufig zur Überbelastung, die sich in physischen und psychischen auswirken können. Regelmäßiger Zeitdruck, der in den meisten Fällen eine belastende Konsequenz aus der Pflegetätigkeit ist, führt nicht selten zur Veränderung des sozialen Umfeldes bis hin zur Aufgabe von sozialen Beziehungen. Studien, die sich mit der Belastung von berufstätigen pflegenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen beschäftigen, zeigen, dass die Parallelität von Beruf und Pflege eine immense Belastung ist und das die Betroffenen häufig nicht wissen, wie lange dieser Spagat zwischen beiden Verantwortungsbereichen noch zu leisten ist. Unternehmen müssen somit unweigerlich Vereinbarkeitsmodelle schaffen, die es pflegenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ermöglichen beide Aufgaben möglichst verträglich leisten zu können. Insbesondere im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem Fachkräftemangel. Ein dauerhafter Ausstieg aus dem Beruf sollte unbedingt vermieden werden. Ein Konzept zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist die sogenannte pflegesensible Arbeitszeitgestaltung.
Ziel der pflegesensiblen Arbeitszeitgestaltung ist die flexible Anpassung der zeitlichen und inhaltlichen Arbeitsanforderungen an die unterschiedlichen Lebenssituationen, denn jeder Pflegefall ist anders.
Das Konzept umfasst somit die Bündelung von unterschiedlichen Arbeitszeitregelungen und adäquater Maßnahmen im betrieblichen Umfeld, um Pflege und Beruf miteinander in Einklang zu bringen. Zu den Maßnahmen gehören die Ausgestaltung der Arbeitszeiten im engeren Sinne, die Arbeitsorganisation innerhalb des Unternehmens und die Betriebskultur.
Pflegesensible Arbeitszeiten ermöglichen eine erhöhte Selbstbestimmung des Beschäftigten über ihre Arbeitszeit bezogen auf Dauer, Lage und Verteilung. Hierbei können sich Unternehmen an Modellen wie den Dispositionszeiten, der pflegegerechter Vollzeit, Teilzeitregelungen oder auch den „klassischen Arbeitszeitlage“ orientieren. Letztere können vor allem für Pflegepersonen interessant sein, die sich feste Arbeitszeiten wünschen, um Planbarkeit zu gewährleisten. Auf der Ebene der Betriebsorganisation sollte die Erreichbarkeit in Notfällen gewährleistet werden und auch kurzfristiges Verlassen des Arbeitsplatzes möglich sein. Anstelle auf Anwesenheitskultur zu setzen, sollten Unternehmen zunehmend zu einer ergebnisorientierten Arbeitskultur übergehen und pflegenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen einen für die Pflegesituation adäquaten Tätigkeitszuschnitt ermöglichen. Im Rahmen der Unternehmenskultur sollte der Betreib sich als sozialer Ort verstehen, in dem es der Führungskraft vor allem auch gelingen sollte das Thema Pflege und Beruf im Rahmen von Informationsveranstaltungen etc. zu enttabuisieren. Weitere Ideen können eine betriebliche Sozialberatung sein. Unverzichtbarer Baustein der pflegesensiblen Arbeitszeitmodelle ist das Verständnis und Entgegenkommen seitens aller betrieblichen Akteure. Darüber hinaus sollten alle Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf immer auch die verschiedenen Phasen der Pflegetätigkeit von der Phase des Beginns bis zur Sterbebegleitung hin

Quelle: Studie der Hans Böckler Stiftung

 

Aktuelles Thema: Flexible Arbeitszeitgestaltung

Eine Antwort auf die Herausforderungen der modernen Arbeits- und Lebenswelt

Die heutige Arbeits- und Lebenswelt stellt sowohl Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere (KMU), als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor neue Herausforderungen. Der lange diskutierte demografische Wandel, die stetige Überalterung der Gesellschaft in Folge von Geburtenrückgängen in Deutschland, hat bereits Einzug in die Unternehmen gehalten und stellt an verschiedenen Stellen ein Problem dar. Die Mitarbeiterschaft wird immer älter, „Nachwuchs“ kommt weniger nach und ist schwieriger zu rekrutieren. Der Wettbewerb um gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist härter geworden – in manchen Branchen ist dies besonders zu spüren – und verlangt somit Anpassungsfähigkeit auf beiden Seiten.
Diesen Herausforderungen gilt es mit kreativen und effizienten Lösungen und Konzepten zu begegnen. Flexible Arbeitszeitmodelle können das Betriebsklima und auch die Attraktivität eines Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöhen. Eine auf Ergebnisse orientierte Arbeitsweise führt häufig dazu, dass sich bei der Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben unterstützt fühlen und eigenverantwortlicher agieren können.

Weitere Vorteile für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können sein:

  • Höhere Einsatzbereitschaft bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
  • Eigenkündigungen, Krankenstände und Fehlzeiten können reduziert werden.
  • Weniger Einarbeitungszeiten, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine engere Bindung an das Unternehmen haben und seltener das Unternehmen wechseln.
  • Ergebnisqualität statt Präsenzkultur bringt neue Motivation.

Zu beachten bleibt allerdings, dass nicht jedes flexible Arbeitsmodell in jedem Unternehmen (abhängig von Berufsfeld und Zusammensetzung der Belegschaft) umsetzbar ist. Zudem sollte die Einführung neuer flexibler Arbeitszeitmodelle mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besprochen und gemeinsam entwickelt werden.

Hier eine Auswahl der gängigsten flexiblen Arbeitszeitmodelle:

  1. Gleitzeit
    Festgesetzte Kernarbeitszeit, in der die MitarbeiterInnen anwesend sein müssen.
    Vom Unternehmen festzulegende Ein- und Ausgleitphasen, in denen die MitarbeiterInnen selbst bestimmen können, wie sie Beginn und Ende ihres Arbeitstages wählen.
  2. Funktionsarbeitszeit
    Festgesetzte Funktionszeit (ähnlich der Kernarbeitszeit), in der ein Unternehmen funktionsfähig sein muss (z.B. von 8-18 Uhr muss ein Büro besetzt sein). Die MitarbeiterInnen können selbst (im Team) besprechen, wer welche Zeiten übernimmt und den Rest frei, in Eigenverantwortung, auf die Arbeitstage verteilen. Ergebnisorientiertes Modell.
  3. Vertrauensarbeitszeit
    Es wird eine klar geregelte Arbeitszeit (in Stunden) festgelegt, die von den MitarbeiterInnen frei eingeteilt werden kann, unter Berücksichtigung der Belange im Unternehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten sehr viel Eigenverantwortung und arbeiten so in einer sehr vertrauensvollen, ergebnisorientierten Umgebung.
  4. Arbeitszeitkonto
    Arbeitsstunden können gesammelt und zu einem bestimmten Zeitpunkt – in Absprache mit den jeweiligen Personalverantwortlichen – eingelöst werden. Das Konto kann z.B. genutzt werden, um ein Sabbatical – eine längere Auszeit oder Sonderurlaub –, zu machen.

Weitere Details und konkrete Unternehmensbeispiele aus der MEO-Region finden Sie hier:

Competentia MEO: Flexible Arbeitszeitgestaltung.

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